Selahattin Zeylek ist neuer Imam der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde - Anschlag aufs Schärfste verurteilt

Warendorf - Auf das Schärfste verurteilt der Vater dreier Söhne (ein, sechs und neun Jahre) den Anschlag in Berlin. „Keine Nationalität, keine Religion rechtfertigt einen Terroranschlag. Das ist ein Angriff auf unser friedliches Zusammenleben. Ich möchte den richtigen Islam präsentieren, der nichts mit ISIS zu tun hat“, lädt der neue Imam Selahattin Zeylek alle interessierten Warendorfer ein, in die Moschee zu kommen.

Antrittsbesuch bei Pfarrer Peter Lenfers: Selahattin Zeylek (Mitte) ist neuer Imam der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde in Warendorf. Noch greift er auf die Übersetzungshilfe von Veli Firtina (links), (stellvertretender Vorsitzender der DITIB-Gemeinde) zurück. Foto: Edler

Das friedliche Zusammenleben weiterführen und ausbauen, gemeinsame Projekte mit den Religionsgemeinschaften vor Ort – das ist das Ziel von Selahattin Zeylek (40). Er ist der neue Imam der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde in Warendorf.

Auf das Schärfste verurteilt der Vater dreier Söhne (ein, sechs und neun Jahre) den Anschlag in Berlin. „Keine Nationalität, keine Religion rechtfertigt einen Terroranschlag. Das ist ein Angriff auf unser friedliches Zusammenleben. Ich möchte den richtigen Islam präsentieren, der nichts mit ISIS zu tun hat“, lädt der neue Imam alle interessierten Warendorfer ein, in die Moschee zu kommen.

Nach Warendorf ist Selahattin Zeylek frisch aus Tokat, einer Großstadt mit 124 496 Einwohnern in der Mittelschwarzmeer-Region gekommen. Er bleibt fünf Jahre. Seit Oktober ist er auf Rundreise, stellt sich vor. Nach dem Antrittsbesuch beim Bürgermeister, war er gestern zu Gast bei Pfarrer Peter Lenfers von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Laurentius, der den Besuch ausdrücklich als ökumenische Einladung verstand. Pfarrer Herweg Behring von der evangelischen Kirchengemeinde war leider verhindert. Als Gastgeschenk hatte der Imam Schafskäse, Datteln und Baklava (süßes Gebäck) für Pfarrer Lenfers mitgebracht.

Im Mittelpunkt des gestrigen Gesprächs, das Veli Fertina (stellvertretender Vorsitzender der DITIB-Gemeinde) übersetzte, war der Kontakt auf Augenhöhe. Zwar sei er Imam, sehe sich aber als Nachbar der Menschen in der Stadt.

Die deutsche Sprache versteht er noch nicht, weshalb er gern auf die Übersetzungshilfe der Vorstandsmitglieder seiner Gemeinde zurückgreift. Auf die Frage nach Islamunterricht an deutschen Schulen, erklärte er, dass er diesen begrüßen würde. „Immerhin leben 4,5 Millionen Muslime in Deutschland.“ Seine Kinder besuchen die katholische Laurentiusschule. Während dort katholische Religion unterrichtet wird, bekommen sie intensiven, deutschen Sprachunterricht.

Zeylek will auf lokaler Ebene tun, was für die Verständigung der Menschen untereinander nötig ist. Konkrete Projekte über die bereits bekannten hinaus­ (Fastenbrechen zum Ramadan oder Tag der offenen Moschee), gibt es noch nicht. Auf jeden Fall ist Selahattin Zeylek bei der Schweige-Aktion anlässlich des Attentats in Berlin am Freitag auf dem Warendorfer Marktplatz dabei. Zusammen mit Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde. Eines hat der Imam in den zwei Monaten schon gelernt: deutsche Pünktlichkeit. Am Ende des 30-minütigen Gesprächs schaute er auf die Uhr: „Ich muss jetzt los, meine Kinder von der Schule abholen.“