Die Priesterweihe...

...ist Teil des dreigliedrigen Weiheamtes, das die Kirche ca. seit dem 3. Jahrhundert kennt. Mit der Weihe zum Priester werden männliche Mitglieder der Kirche in Dienst genommen, in und für die Gemeinden in gelebter Nächstenliebe, in Gottesdienst und Verkündigung tätig zu werden.

Warum ich bleibe

Was mich dennoch hält
in dieser etablierten Kirche,
in dieser die Sache Christi
doch recht zweifelhaft vertretenden
und mit der jeweiligen Herrschaftsstruktur
verbündeten Institution,
in der die befreiende Botschaft
immer wieder ins Stocken gerät,
Machtstrukturen für eine scheinbare
Selbsterhaltung gebraucht werden,
theologisch und gottgewollt begründet,
von wegen dem heiligen Geist,
was mich dennoch bleiben lässt,
und warum ich nicht besser
mein Engagement,
mein Fragen und Suchen in ihr,
das Mitleiden, Mitleben und Mitfeiern
an den symbolischen Nagel hängen
und mich befreien sollte
von diesem alten Hut
eines fossilen Christentums –
all das werde ich immer wieder gefragt,
teils mitleidvoll,
teils ironisierend. 
Und dann kommt meine Antwort,
keineswegs idealistisch begeistert,
eher zögernd und nüchtern,
während ich darlege,
dass ich die Sache Christi
nicht aufgeben will und kann,
dass ich eben noch nicht alle Hoffnung
fahrengelassen habe,
dass diese Kirche
auch die Kirche Christi sei
oder wieder werden könne. 
Fortfahrend erkläre ich,
dass eben diese Kirche
mir Lebensraum bietet
und Möglichkeiten,
schöpferisch zu sein,
dass mir hier so etwas
wie Heimat geschenkt wurde,
dass ich mich trotz allem
hier irgendwie wohl fühle,
Menschen finde,
die mit mir denselben Weg gehen
und so... 
Und dann müsste ich noch sagen,
dass es mir schwer fallen würde,
außerhalb dieser Kirche
für die Sache Christi
so zu arbeiten wie hier,
und dass ich,
diese Kirche verlassend,
auf jegliche Möglichkeit verzichte,
an einer besseren Kirche mitzubauen.
Und letztlich müsste ich sagen –
wenn’s auch etwas leiser käme – ,
dass ich diese Kirche,
wie eben eine Heimat,
die mich leben und froh sein lässt,
dass ich diese Kirche liebe...

(Peter Paul Kaspar, Priester und Autor)