Einblick in Gottes Schöpfung...

...oder besser gesagt in die Wiege des Lebens - in diesem Fall kein Stall in Bethlehem, sondern ein Nistkasten in Warendorf. Hier zog erfreulicherweise ein Kohlmeisen-Pärchen ein und zog ihre Jungen auf - seht/sehen Sie selbst!

Man sieht ein "Live"-Bild mit Sicht von oben in den Nistkasten Richtung Boden. Am oberen Rand des Bildes ist ein Teil des Einfluglochs zu sehen. Der gefiederte Gast bekommt von alledem nichts mit, da die Technik sich im oberen, abgetrennten Bereich des Nistkastens versteckt. Lediglich zwei unscheinbare Infrarot-LEDs und ein kleines Infrarotkamera-Modul befinden sich weit oben über dem Nest. Das Infrarot-"Licht" nehmen das menschliche und tierische Auge nicht wahr. Gesteuert wird das Ganze durch einen RaspberryPi, der das Bildmaterial auf die Homepage streamt.


Chronologie 2017

Nachdem Anfang März 2017 eine Kohlmeise den Nistkasten schon mehrfach angeflogen und von außen mit dem Schnabel anklopfend inspiziert hatte, traute sie sich Mitte März auch hinein. In der 11. Kalenderwoche wurde er dann als Nitsplatz 2017 auserkoren (eine Analogie zum letzten Jahr, wie unter den "Impressionen aus 2016" zu sehen ist):

Montag: Frau Meise prüft auf Familientauglichkeit...
Dienstag: Herr Meise prüft die Sicherheit von Ein- und Ausflugloch...
Mittwoch: Gemeinsame Wochnungsabnahme von Herrn und Frau Meise...
Donnerstag: Grund-Zweig-Legung...

Der Nestbau wurde einige Tage intensiv durch Herrn und Frau Meise voran getrieben. Viele kleine Zweige, Gräser und Moos wurden herangeschafft und akribisch verbaut. Dann war das Tagwerk vollbracht und das Meisen-Pärchen konnte die freie Natur und die Frühlingsgefühle genießen. Erst in der 14. Kalenderwoche wurde der Nistkasten wieder intensiver besucht und nach dem Rechten geschaut. In der 16. Kalenderwoche, direkt nach Ostern, wurden am Nest noch Restarbeiten mit frischem Nistmaterial vollzogen.

5. April, 07:37 Uhr: Blick nach oben...
5. April, 07:37 Uhr: Blick nach draußen...
5. April, 07:37 Uhr: Kurz umdekorieren...
18. April, 10:57 Uhr: Zufrieden gucken...

In der Nacht vom 18. auf den 19. April erfolgte die erste Übernachtung im Nistkasten. In den folgenden 4 Tagen waren die ersten Eier im Nest zu sehen. Am Wochenende nach Ostern waren dann 4 Eier im Nest.Damit scheint die Familienplanung vorerst abgeschlossen zu sein. Das erscheint aufgrund der doch recht geringen Grundfläche des Nistkastens, in Anbetracht des Vorjahres (2016 schlüpften sogar 8 Jungen!), auch sinnvoll und erleichtert die spätere Aufzucht der Jungen.

18./19. April: Die erste Nacht im eigenen Nest!
22. April: 2 Eier sind im Nest sichbar - ein 3. lässt sich erahnen...
...besser nochmal nachzählen...
...schnell noch die Brut mit etwas Nistmaterial schützen...
...und dann Abflug zur Nahrungssuche...
...Ausblick mit Ei-Blick...
...es lassen sich inzw. sogar 4 Eier im Nest ausmachen...
...so lässt sich auch die Zeit am Nestrand genießen, solange der Nistkasten die Freiheiten noch bietet.

Wir springen in die 19./20. Kalenderwoche - inzw. sind die Jungen geschlüpft. Von den 4 bebrüteten Eiern schlüpften aus dreien kurz nacheinander die Meisen-Küken - aus dem 4. schlüpfte das Küken erst 2 Tage später. Es machte von Anfang an keinen so agilen Eindruck, wie die anderen 3. Irgendwann war es dann verschwunden, da es wohl nicht lebensfähig war. Auch von den 3 anderen muss einige Tage später eines verstorben sein, da inzw. nur noch 2 Jungtiere im Nest zu sehen sind. Schade, dass nur die Hälfte überlebt hat, aber so ist halt die Natur. Womöglich hätten sich in der noch gefiederlosen Zeit mehr Jungtiere gegenseitig besser gewärmt, sodass temperaturbedingt 2 Junge nicht durchkamen. Zudem scheint es sich um eine "alleinerziehende Meisenmutter" zu handeln, da sie alle Futterflüge selber zu bewerkstelligen hat und daher die Jungtiere auch nicht durchgängig im Nest wärmen kann. Trotzdem toll zu sehen, wie sie diese schwierige Aufzucht aufopferungsvoll und tapfer alleine löst. Mit restlichen Meisenknödeln aus dem Winter und ein paar gekauften Maden wird ihr ein wenig "unter die Flügel gegriffen".

10. Mai: 4 offene Schnäbel frohlocken nach Frühstück
11. Mai: kurioser Besuch - eine Fliege hat sich im Zwitscherkasten verirrt...
11. Mai: ...Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: ruhig verhalten, anvisieren und unvorhergesehen zuschnappen - schon sind die Kleinen vorm ungebetenen Eindringling geschützt. Die Meisenmutter befördert ihn aber nach draußen und verfüttert ihn nicht direkt.
13. Mai: offensichtlich hat die natürliche Auslese zugeschlagen - nur noch 2 Schnäbel müssen gefüttert werden...
22. Mai: Inzwischen sind Gefieder und Flügel so gut ausgebildet, dass schon erste Flugübungen am Nestrand erprobt werden
26. Mai: Die neue Mobilität erlaubt auch mal raus aus der Nestmitte zu hüpfen und die Ecke des Nistkastens zu erkunden - so lässt sich an der Wand horchen, ob evtl. die Maisenmutter mit dem Futter naht...
27. Mai: aus dem Nistkasten raus auf die Wiese - die große weite und neue Welt wartet!
Mutter Meise lockt das Junge, füttert es auf dem Rasen und gibt das Rüstzeug für das Leben in freier Natur.

Artikel aus "Kirche+Leben" vom 9. April 2017