Einander stärken – Pfarrer Franklin Antony aus dem südindischen Bistum Marthandam wieder zu Besuch in Warendorf

„Franklin, bist Du das wirklich?“ so begrüßte ein älteres Pfarrmitglied fröhlich Pfarrer Franklin Jose Antony vor der Warendorfer St.-Laurentiuskirche.

„Es ist ein großes Glück für mich, zur Urlaubsvertretung im Juli einen Monat lang wieder in Warendorf sein zu dürfe,“ freut sich auch Pfarrer Franklin, der im April 2021 nach achteinhalb Jahren in Warendorf wieder zurückgekehrt war in sein Heimatbistum Marthandam im südindischen Tamil Nadu. „Der Kirchenvorstand und das Seelsorgeteam haben zusammen das Wiedersehen möglich gemacht, vielen lieben Dank! Ich hatte die Warendorfer sehr vermisst!“ Etliche Projekte verbinden inzwischen Marthandam und Warendorf, und so ist es wichtig, auch persönlich in Kontakt zu bleiben. Hier ein kleiner Bericht über Pfarrer Franklins Arbeitsbereiche, so wie er darüber Mitte Juli auf dem Nachtreffen mit den Indienfahrern berichtet hat, die 2019 von St. Laurentius aus seine Heimat besucht hatten. Hieraus ist inzwischen ein Freundeskreis entstanden. „Als ich zurück nach Indien kam, wurde ich zunächst von Bischof Vincent in zwei Gemeinden als Reverend eingesetzt, in Mathar und Charoor. Inzwischen sind es sogar fünf Gemeinden geworden, in denen ich als Dechant von zwei Kaplänen unterstützt werde, und die Leitung einer Schule kam hinzu. Als dritte Aufgabe wurde ich kurz vor meiner Abreise vom Bischof zum Chancellor von Marthandam berufen, das umfasst die Arbeit eines Hauptsekretärs für das gesamte Bistum. Es gibt also sehr viel zu tun. Mein Herz schlägt dabei ganz besonders für die sozialen Projekte, und etliche haben eine Verbindung zu Warendorf. Zum Beispiel war der von den Warendorfern gestiftete Krankenwagen in der Coronazeit 24 Stunden täglich im Einsatz, um Menschen zu retten - das war eine riesige Unterstützung für Schwerkranke oder Verletzte, die es aus eigener Kraft nicht ins Krankenhaus schafften. Nach Warendorfer Vorbild haben wir jetzt auch einen ambulanten Pflegedienst neu eingerichtet: „Mobile Palliativ Care“. Mit einer Unterstützung von „Indienhilfe Saar“ für das erste Jahr wurde ein kleines Auto angeschafft, mit dem jetzt zwei Krankenschwestern täglich zu den Bettlägerigen der Gemeinde fahren, die nicht komplett von Angehörigen versorgt werden können. Das war in Indien eine große Sache, dass die beiden jungen Frauen mutig selbst das Auto fahren – sonst muss immer ein Fahrer mit, um die schwierigen Straßen dort zu meistern, aber unsere Krankenschwestern fahren selbst zu den Patienten. Hier stärken die Freuen einander. Es gab viel Lob für diesen ganz neuen sozialen Dienst. Umgekehrt werden im Herbst auch einige Krankenschwestern von Indien nach Nordrhein-Westfalen kommen, um den aktuellen Pflegenotstand ausgleichen zu helfen. In einem Sprachprojekt mit der Neu-Warendorferin Susanne Petermann haben sie bereits in Indien gute Deutschkenntnisse erworben und werden ab Herbst ihren Dienst aufnehmen.‘ Ebenso sind derzeit etliche Priester aus Marthandam in Deutschland im Seelsorgeeinsatz, sodass wir guten Austausch haben. Gelegentlich haben wir aber auch ganz praktische Einsätze in meinen indischen Gemeinden. Da es so gut wie keine Mietwohnungen gibt, kann man bei neuen Lebensumständen schneller obdachlos werden als hier. So mussten wir 2021/22 für einige Gemeindemitglieder kurzerhand einfache Häuser (je ca. 4500 €) errichten. Wir kauften nur das Material, um Geld zu sparen, und Ehrenamtliche, Jugendliche aus der Gemeinde und die Priester, halfen mit, das Haus selbst aufzubauen, nur selten brauchten wir die Hilfe von Profis. Das stärkt auch den Zusammenhalt. Die Gemeinden haben oft kleine Kirchen, aber über 80% Kirchenbesucher, in Charoor etwa platzt sie gerade aus den Nähten, und es regnet durch das Dach, sodass wir bei Monsun die Messe im Dunkeln und ohne Musik feiern müssen, da der Kriechstrom zu gefährlich wäre. Das wird ein Großprojekt ab Dezember. Dass der von Warendorf gesponserte Brunnen u.a. für Pfarrer Sajiths Kindertisch optimal genutzt wird, kann ich hier noch einmal berichten und Euch herzlich danken.“
Ein ganz wichtiges aktuelles Projekt ist der Aufbau einer ambulanten Krankenstation in Mathar. Zwischen Krankenwagen und Pflegedienst bleibt leider einfach eine Lücke in der Gesundheitsversorgung, die wir schließen wollen. Corona geht zwar zurück, aber im Alltag brauchen die 50 älteren Damen des Altenheims neben dem Pfarrhaus in Mathar (es gibt z.B. viele Diabetiker), die Nonnen, die sie pflegen, die Alten aus dem Dorf sowie die Armen und Obdachlosen in der Nähe oft eine kleinere medizinische Hilfe, die es vor Ort noch nicht gibt. Geplant ist eine Krankenstation mit Ärztin und Krankenschwestern, in der alle für ein sehr kleines Geld Behandlung und Medikamente bekommen können und die sich auch die Armen leisten können. In einem Kurzvideo wurde in Warendorf der mutige Beginn dieser Krankenstation ganz eindrücklich gezeigt. Pfarrer Franklin hat im Juni zusammen mit Ehrenamtlichen und den Kaplänen in einem stillgelegten Gebäude schon einiges renoviert: Trennwände für drei kleine Behandlungszimmer sind gezogen, es gibt schon einen Rezeptionsbereich mit Wartebereich, drei Waschbecken sind installiert, Elektrizität ist gelegt, als nächstes wird gefliest und gestrichen. Fünf Betten sollen dazu kommen, eine Toilette wird gebaut werden und Ventilatoren gegen die Hitze angeschafft. Wenn das erreicht ist, fehlen noch Diagnosegeräte wie ein gebrauchtes EKG und Ultraschall, Medikamente für die Apotheke, auch die ersten Gehälter für die Ärztin und 2-3 Schwestern, die allesamt aus Spenden refinanziert werden. Staatliche Unterstützung gibt es leider nicht, und auch keine Kirchensteuer, aber spendenwillige Gemeindemitglieder. Das ist nach Corona nicht ganz so einfach, weil viele in dieser Zeit wenig Arbeit hatten. All das wird trotzdem mit großem Enthusiasmus angegangen. Das Projekt ist also auf sehr gutem Wege, aber es gibt trotz aller Hoffnung auch noch sehr viel zu tun. Da bei Hausbesuchen von Pfarrer Franklin in Warendorf und im Freundeskreis ein großes Interesse an näheren Informationen zu diesem Krankenstationsprojekt in Mathar entstand, kam die Idee auf, die Informationen gebündelt zu veröffentlichen. Wer das Projekt unterstützen möchte, würde eine große Hilfe leisten, wie schon zuvor die Warendorferinnen und Warendorfer beim Krankenwagenprojekt. Ihre Spenden sind dann ab August unterwegs, um sich direkt z.B. in Fliesen für den Klinikraum zu verwandeln, in ein Stethoskop oder eine Arztsprechstunde, oder in ein Antibiotikum - das Projekt bleibt spannend und verdient vollste Anerkennung, im Advent berichten wir dann wieder von der Entwicklung. Unten finden Sie ein Referenzkonto, bitte kontaktieren Sie bei Fragen, z.B. zu einer Spendenbescheinigung, gerne Pfarrer Franklin per E-Mail: appufrank[at]gmail.com. Pfarrer Franklin macht darüberhinaus an alle, die sich für die indische Kultur interessieren oder gerne eine Sozialzeit von einigen Wochen bis zu sechs Monaten in Mathar absolvieren möchten, das Angebot, in Südindien dazu kostenfreie Unterkunft und Verpflegung zu arrangieren. Optimal einzubinden sind z.B. Pensionäre, Ärzte und Heilpraktiker, Lehrer und Handwerker. Sie können in ihren Berufen einige Stunden ehrenamtlich mitarbeiten oder sich mit den Kindern beschäftigen, anderen ein interessantes Hobby zeigen u.a.m. Also herzlich willkommen, ob in Warendorf oder Südindien - stärken wir einander!

 

Spendenkonto:
Empfänger: Franklin Jose Antony
IBAN: DE19 4006 0265 0133 2859 00
BIC: GEN0DEM1DKM
Bank: Darlehenskasse Münster EG
Für eine Spendenquittung bitte vorab eine E-Mail schreiben an: appufrank[at]gmail.com.