Gemeinde verabschiedet ihren Kantor

Ein schöneres, stimmungsvolleres Lied zum Abschied hätte es für Bernhard Ratermann wohl nicht geben können. Nach 37 Jahren als Kantor an St. Laurentius schritt der angehende Rentner am Samstagabend noch einmal in den Altarraum, um zum letzten Mal vor seinem Ruhestand zu dirigieren.

Stehende Ovationen gab es von der Gemeinde in der unter Corona-Bedingungen vollbesetzten Laurentiuskirche für Bernhard Ratermann. Foto: Baumjohann

„Misericordias Domini in aeternam cantabo“ (Vom Erbarmen des Herrn will ich in Ewigkeit singen) klang da durch die Pfarrkirche St. Laurentius, die Wiederaufnahme des Liedes, das auch den Gottesdienst beendet hatte. 

„Genauso habe ich mir das gewünscht“, bekannte Ratermann im „Glocke“-Gespräch, nachdem der letzte Ton verklungen war. Nicht etwa mit einer Aufführung wollte sich der Dekanatskantor aus seinem aktiven Dienst verabschieden, sondern mit der musikalischen Gestaltung einer Heiligen Messe. Das macht deutlich, was Bernhard Ratermann wichtig ist. 

„Es war immer mehr“

Es mache einen großen Unterschied, ob etwas nur bloße Pflichterfüllung oder echte Leidenschaft sei, hatte Kreisdechant Peter Lenfers schon in seinen Begrüßungsworten in der – unter Corona-Bedingungen – vollbesetzten Laurentiuskirche festgehalten, ohne Ratermann direkt anzusprechen. Das folgte später. „Natürlich hast Du getan, was Dir Freude bereitet hat: Musik zu machen, Menschen zusammenzubringen. Aber es war immer mehr“, zeigte sich Lenfers überzeugt. Man habe immer gespürt, es mit ganz tiefem Glauben zu tun zu haben. Gerne hätte man Ratermann mit „Pauken und Trompeten und allem, was die Kirchenmusik zu bieten hat“ verabschiedet, bekannte Lenfers. Coronamäßig war das nicht möglich. 

Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass dem scheidenden Kantor der intensive Gottesdienst, den Lenfers mit der Gemeinde in der Laurentiuskirche feierte und der mit gregorianischen Chorälen ebenso wie mit modernen Chorsätzen aufwarten konnte, sogar lieber war. 

„Du hast alles mit Herzblut getan“

„Du hast alles mit Herzblut getan“, dankte Clemens Lübbers dem scheidenden Regionalkantor nach dem Ende des Gottesdienstes. Der Diözesanpräses des Cäcilienverbandes überreichte Bernhard Ratermann zusammen mit Ulrich Grimpe, dem Leiter des Referats Kirchenmusik im Bistum Münster, die Verdienstnadel des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland. 

Zuvor schon hatte Ratermann von Peter Lenfers das Geschenk der Gemeinde, die Faksimile eines gregorianischen Graduale über Psalm 92, entgegennehmen dürfen. „Der Gerechte sprießt wie die Palme, er wächst wie die Zeder des Libanon“, heißt es dort. „Du bist in der Welt der Psalmen zu Hause“, sagte Lenfers, als er das prächtige Werk überreichte. „Das sind sprachgewaltige Bilder, die uns an die Wurzel des Glaubens führen.“

Wertschätzung der Gemeinde

Vielleicht noch mehr als über Ehrennadel, Faksimile und weitere Geschenke, die Bernhard Ratermann im Anschluss an den Gottesdienst und beim Empfang im Pfarrsaal St. Marien überreicht bekam, dürfte sich der scheidende Kantor über die Wertschätzung der Gemeinde gefreut haben. 

Mit stehenden Ovationen dankten die Gläubigen am Ende der Messe für die 37 Jahre, in denen Ratermann die Verkündigung des Glaubens durch Musik mit Leidenschaft betrieben hatte. Und so durfte die Musik auch beim Empfang im Pfarrsaal nicht fehlen. Mit einem umgedichteten „Atemlos“ verabschiedeten sich die Chöre von ihrem Chorleiter. Auch das war ein Moment, in dem die Wertschätzung der Gemeinde gegenüber dem langjährigen Kantor und Regionalkantor deutlich wurde.