Interview mit Holger Blüder (Chorleiter der Marienkantorei)

Aus Anlass des Konzertes „Laudate Dominum“, das am Sonntag, den 13. Oktober um 18:00 Uhr in der Marienkirche geboten wird, geben wir hier ein Interview mit dem Chorleiter der Marienkantorei Warendorf, Holger Blüder wieder.

Holger Blüder präsentiert voller Freude mit der Originalpartitur eines Werkes von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594) eine Rarität und besondere Kostbarkeit, die sich in seinem Eigentum befindet.

  • Herr Blüder. Seit Anfang des Jahres leiten Sie die Marienkantorei Warendorf. Wir kennen Sie seit einigen Jahren als den Leiter der Schule für Musik im Kreis Warendorf, des Großen Sinfonieorchesters dieser Musikschule und als begnadeten Pianisten. Haben Sie mit der Übernahme der Leitung eines Chores Neuland betreten?

    Aber nein. Seit meinem 16. Lebensjahr, also bereits 20 Jahre (-lacht!), ach nein, schon über 30 Jahre leite ich Chöre aller Gattungen. Dies gehört, wie bei meinem Vater übrigens auch, zu meinem Leben. Meine Begeisterung für die Chormusik, die mich bereichert und erfüllt, in der Marienkantorei umsetzen und weitergeben zu können, freut mich sehr!
  • Was ist das Ziel des kirchenmusikalischen Projektes „Laudate Dominum“? Wo sehen Sie die Besonderheiten dieses Vorhabens?

    Zunächst einmal ist das unser Auftrag: Gott mit unseren Liedern zu loben. Und dann haben wir natürlich noch ein weiteres wunderbares Ziel: den Zuhörern Freude zu bereiten. Als Besonderheit würde ich die programmatische Gestaltung des Konzertes benennen: Verschiedene Themenblöcke mit jeweils einem Klavierstück und drei Liedern sorgen für ein abwechslungsreiches Programm.
  • Passt die Musik von Palestrina mit Gospels und Spirituals überhaupt zusammen? Uns erscheint die Kluft etwas groß.

    Das finde ich nicht! Die unterschiedlichen Klang- und Hörerlebnisse der Lieder, die aus fünf Jahrhunderten stammen, sollen vielmehr die Vielfalt der Musik wiederspiegeln. Die verschiedenen Stilrichtungen schließen sich gegenseitig ja nicht aus. Natürlich hat jede Epoche spezielle Besonderheiten, aber gerade darin liegt der Reiz.
  • Das Projekt wird in Form eines a-cappella-Konzertes realisiert. Warum wird auf eine Instrumentalbegleitung verzichtet und somit der Schwierigkeitsgrad erhöht? Spielen hier Kostenersparnisgründe eine Rolle?

    Für mein erstes Jahr als Leiter der Marienkantorei hatte ich mir überlegt, mit der ursprünglichsten und reinsten Form des Gesangs zu beginnen. Dies hilft auch, den Chor und die einzelnen Stimmen bestmöglich kennenlernen zu können. Natürlich stellt der Verzicht auf unterstützende Instrumente eine Herausforderung dar. Aber diese, da bin ich mir sicher, werden wir meistern, da der Chor eine tolle Qualität hat. Mit Kostenreduzierung hat die Konzentration auf a-cappella-Literatur ganz bestimmt nichts zu tun.
  • Ohne vorab allzu viel verraten zu wollen, aber beim Blick in das Programm fällt auf, dass auch kirchenmusikalische „Evergreens“ wie das „Ave verum corpus“ von Mozart oder das „Heilig“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert dabei sind. Könnte den Zuhörern diese Auswahl nicht etwas abgedroschen vorkommen oder wird sie auch ein anspruchsvolles Publikum zufriedenstellen?

    Wir präsentieren eine große Zahl ganz frisch einstudierter und anspruchsvoller Lieder, kombinieren diese jedoch mit einigen beliebten Liedern aus dem Repertoire des Chores. Diese „Klassiker“ sind von zeitloser Schönheit und werden immer wieder gerne gehört und gesungen. Somit steht Bekanntes neben Neuem. Und dies in einem – wie ich finde- guten Verhältnis.
  • Auf welche besonderen musikalischen Leckerbissen dürfen sich die Konzertbesucher freuen?

    Ein Höhepunkt wird sicherlich der achtstimmige Satz „Richte mich Gott“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy sein.
  • Herr Blüder, wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen alles Gute für Ihr Vorhaben!

 

Information: Im Bereich der Chormusik wurde Holger Blüder 2009 vom Sängerkreis Miltenberg zum Ehren-Kreischorleiter ernannt. 2014 verlieh ihm die Bundesvereinigung deutscher Chorverbände (BDC) für hervorragende Leistungen den Titel „Chordirektor“. 2018 erhielt er die „Carl-Friedrich-Leucht-Medaille“ als höchste Auszeichnung des Maintal-Sängerbundes, für den er auch als Dozent für Chorleiterausbildung an der Musikakademie in Hammelburg tätig war.