Reformbewegung Maria 2.0 - Neuer Thesenanschlag nach 500 Jahren

Auch an den drei katholischen Kirchen in Warendorf hat es am Wochenende einen Thesenanschlag gegeben. Vertreterinnen der Bewegung „Maria 2.0“ machten damit auf ihre Forderungen aufmerksam.

Stellten die neue Aktion der Reformbewegung Maria 2.0 vor (v. l.): Annette Busse, Irmgard Stuke, Angelika Klager, Marlies Bauckloh und Marion Bause. Foto: Joke Brocker (2)

Das Timing hätte passender nicht sein können, freut sich Marion Bause, Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Laurentius, über eine neue Aktion der Reformbewegung Maria 2.0, die am Samstag, und damit wenige Tage vor Beginn der virtuellen Vollversammlung der Deutschen Bischöfe (23. bis 25. Februar), stattgefunden hat.

Mit einem Thesenanschlag 2.0 an Dom- und Kirchentüren im ganzen Bundesgebiet, gerichtet „an alle Menschen, die guten Willens sind“, wollte die Reformbewegung Maria 2.0 auf die „eklatanten Missstände in der katholischen Kirche hinweisen. Mit dem Anschlag der Thesen an die Portale von St. Laurentius, St. Marien und St. Josef untermauerte die Bewegung auch vor Ort ihre Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen Kirche.

Angemahnt werden in sieben Thesen unter anderem eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt. Darüber hinaus wird eine wertschätzende Haltung gegenüber selbstbestimmter, achtsamer Sexualität eingefordert sowie die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Dass Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, sei wohl eher eine Legende, finden die Mitstreiterinnen von Maria 2.0., aber seine Thesen hätten etwas Großes in Bewegung gesetzt. Das wolle auch die Bewegung Maria 2.0.

Aus Sicht der Frauen ist es notwendig, „dass die Deutsche Bischofskonferenz endlich beginnt, sich ernsthaft mit den in der katholischen Kirche notwendigen Reformen auseinanderzusetzen und den Willen zu Veränderungen durch Taten bezeugt.“

 

Maria 2.0

Die Bewegung Maria 2.0 tritt für Reformen in der katholischen Kirche ein. Sie ist eine bundesweit vernetzte Graswurzelbewegung. Zahlreiche Maria-2.0-Gruppen in verschiedenen Orten machen seit Mai 2019 immer wieder mit unterschiedlichen Aktionen in Kirchengemeinden, Bistümern und häufig auch bundesweit gemeinsam auf ihre Forderungen aufmerksam.
Auch in Warendorf hat die Bewegung Maria 2.0 eine wachsende Zahl an Unterstützerinnen. Dabei geht es ausdrücklich nicht unbedingt um die Situation in der Gemeinde vor Ort, sondern um eine grundsätzliche Erneuerung der Kirche als Institution. Neben verschiedenen Aktionen zur Begleitung des Reformprozesses laden die Initiatorinnen in Warendorf seit Frühjahr 2020 an jedem vierten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in die Marienkirche zum sogenannten „Donnerstagsgebet“ ein. „Natürlich wecken die erforderlichen Reformen der Kirche neben Hoffnungen auch Ängste. Diese vor Gott zu tragen und in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten im Gebet ,Schritt für Schritt‘ zu begleiten, ist die Motivation für das Donnerstagsgebet“, erläutern die Mitglieder. Der Vorbereitungskreis nehme nach Ende des jeweiligen „Donnerstagsgebetes“ ein wachsendes Interesse an Gespräch und Austausch wahr. Coronabedingt gestalte sich jedoch aktuell ein Angebot dazu schwierig. Anliegen und Anregungen seien daher per Mail an: Maria2.0-Warendorf[at]web.de willkommen. Das nächste Donnerstagsgebet findet am 25. Februar um 19 Uhr in der Marienkirche statt.