St. Laurentius erarbeitet Verhaltenskodex

Wenn Kinder und Jugendliche bei einer Ferienfreizeit teilnehmen und den Betreuerinnen und Betreuern für 14 Tage anvertraut werden, gibt es viel zu beachten.

Marion Bause (li.) diskutiert mit Ferienlager-Betreuern und der Kindergarten-Vebundsleitung.

Was tun, wenn das Gruppenhaus nur einen Duschraum hat? Darf ich ein Kind noch in den Arm nehmen, wenn es weint und Trost braucht? Was soll ich tun, wenn jemand Wörter unter der Gürtellinie benutzt? Zusammengefasst: Wie gehen wir miteinander um, sind sensibel für die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen und beugen dabei sexualisierter Gewalt vor? Diesen und weiteren Fragen näherte sich die Kirchengemeinde St. Laurentius am vergangenen Samstag.

Rund 15 ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierte aus der Jugendarbeit trafen sich am Nachmittag im Pfarrheim an der Marienkirche, um miteinander ins Gespräch zu kommen, wie sie sich Kindern und Jugendlichen gegenüber verhalten wollen. Ziel war es, einen gemeinsamen Verhaltenskodex zu erstellen, der dann für alle in der Jugendarbeit Aktiven verbindlich sein soll.

Die Lagerleitungen der Ferienlager und die Verantwortlichen der Sternsinger an den drei Kirchenorten der Pfarrei waren gekommen, ebenso Vertreter der Messdiener, der Familienmesskreise, des Pastoralteams, Abgesandte von Pfarreirat und Kirchenvorstand. Auch eine Verbundsleitung der Kindergärten hatte sich auf den Weg gemacht. Einen Nachmittag nahmen sie sich Zeit, um die verschiedenen Gesichtspunkte im Austausch miteinander zu beleuchten.

Die Kirchengemeinde möchte auf der sicheren Seite sein. „Wir wünschen uns, dass alle, die in unserer Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt kommen, sich gut in dem Thema auskennen. Wir wollen in St. Laurentius eine Kultur der Achtsamkeit etablieren!“, erklärte Marion Bause, Leiterin der Projektgruppe, die für die Kirchengemeinde an dem Schutzkonzept arbeitet. Gemeinsam mit Ariane Wessels, die ehrenamtlich die Firmvorbereitung der Kirchengemeinde leitet, hatte sie das Treffen im Vorfeld geplant und führte mit abwechslungsreichen Methoden durch das vielschichtige Thema.

Dabei ging es um das Verhalten auf Tagesaktionen, Freizeiten und Reisen und die Gestaltung von Nähe und Distanz. Verschiedene Aspekte waren dabei zu berücksichtigen, etwa eine Angemessenheit von Körperkontakt, Sprache und Wortwahl. Die Beachtung der Intimsphäre von Kindern und Betreuern kam zur Sprache wie der Umgang mit Medien und sozialen Netzwerken. Am Ende des Nachmittags waren alle gut zufrieden. „Es ist total toll zu sehen, wie sich die Ehrenamtlichen unserer Pfarrei auf dieses Thema einlassen und so engagiert mitarbeiten“, freute sich Pastoralreferentin Bause.

Die Erarbeitung des Verhaltenskodex ist Teil der Erstellung eines „Institutionellen Schutzkonzepts“, an dem die Kirchengemeinde seit längerer Zeit arbeitet. Darunter versteht man die gebündelten Bemühungen um die Prävention von sexualisierter Gewalt. Der Kodex ersetzt die Selbstverpflichtungserklärung, die bislang alle Mitarbeiter der Kirchengemeinde, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt waren, unterschrieben. Ziel dieses Verhaltenskodex ist es, Haupt- und Ehrenamtlichen einen verbindlichen Orientierungsrahmen und Handlungssicherheit im Alltag zu geben und ihnen die Positionierung gegenüber Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt zu erleichtern.