Stimmungsvolles und berührendes Konzert

Das a-cappella-Konzert „Laudate Dominum“ war aus Sicht der Akteure und der Besucher ein voller Erfolg. Die geschätzte Zahl bei den Zuhörern lag bei etwa 400.

Sehr guter Besuch beim a-cappella-Konzert „Laudate Dominum“ am Sonntag, den 13. Oktober um 18:00 Uhr in der Marienkirche Bild: Robert Schulte

Schon bei der Übernahme der Leitung der Marienkantorei Warendorf hatte Holger Blüder angekündigt, dass bei dem für den Herbst geplanten Konzert eine Reduzierung auf den Kern der Chormusik vorgenommen werden solle – auf den a-cappella-Gesang. Mit diesem Ziel vor Augen, hatten die Sängerinnen und Sänger der Marienkantorei in den vergangenen Monaten Chorsätze einstudiert, die in fünf Jahrhunderten geschaffen worden waren und die die Epochen von der Renaissance und dem Barock bis hin zur zeitgenössischen Moderne umfassen. Das Ergebnis dieser Arbeit wurde am vergangenen Sonntag in einem abendlichen Konzert in der Marienkirche Warendorf den etwa 400 anwesenden Zuhörern präsentiert.

Bereits das erste Stück von Knut Nystedt griff das Generalthema des Konzertes auf und zeigte die Richtung an: „Laudate Dominum“. Der Satz wurde engagiert vorgetragen und begeisterte gleich zu Beginn das Publikum. Alle Beteiligten waren eingebunden und Claudia Lawong konnte sich als Gast und Sopran-Solistin überzeugend einbringen. Schon hier wurde deutlich, dass die Vorgabe des Chorleiters umgesetzt werden konnte, mit geistlichen Liedern und Chorstücken den Menschen tiefgründige Botschaften zu vermitteln.

Holger Blüder führte mit der Sonate A-Dur von Domenico Scarlatti gekonnt in den Block „Barock“ ein. Der erste Vokalbeitrag „Sicut cervus“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 – 1594) stellte das älteste dargebotene Musikstück dar. Für das musikalische Zeitalter des Barock kann man sich kaum einen idealeren Vertreter vorstellen als Johann Sebastian Bach. Aus dessen kompositorischen Schaffen waren zwei Stücke ausgewählt worden. An das Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ knüpfte mit dem Werk „Herr Gott, dich loben wir“ eine Fuge aus dem „Magnificat“ an, bei der die vier Stimmen kunstvoll miteinander verwoben wurden und Intonation, Metrum und Takt zu einem wunderbaren Klangerlebnis führten. 

Die Epoche der Klassik wurde –neben der Klaviertranskription des Beethoven-Liedes „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ durch zwei Stücke aus der Deutschen Messe von Franz Schubert repräsentiert: „Heilig, heilig, heilig“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“. Die Aussage des anschließenden Liedes „Meine Seele ist stille in dir“ von Klaus Heizmann übertrug sich spürbar auf die still lauschende Zuhörerschaft.

Die beiden von Claudia Lawong solistisch vorgetragenen „Biblischen Lieder“ von Antonin Dvorák und zwei aus der Feder des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy stammenden Stücke konnten als Repräsentanten für die Zeit der Romantik überzeugen. Beim „Richte mich Gott“ wechselte die Musik zwischen den von kraftvollen Männerstimmen unisono vorgetragenen Passagen mit achtstimmig gesetzten und gefühlvoll eingefügten Passagen ab. Das war schon anspruchsvolle Chorliteratur, die gekonnt von den etwa 65 Aktiven umgesetzt wurde.

Beispielhaft für Spirituals wurden der von Holger Blüder bearbeitete Satz eines unbekannten Komponisten „Holy is the Lord“, das beliebte von Bob Chilcott stammende Werk „God so loved the World“ und ein Chorstück von William L. Dawson mit dem Titel „Soon-ah will be done“ zu Gehör gebracht. Gerade das letzte Stück dieses Blockes begeisterte die Zuhörer wegen der mitreißenden Rhythmik, der großen Varianz zwischen pianissimo- und fortissimo-Stellen und den unterschiedlichen Tempi.       

Mit den Klavierstücken „Wiegenlied“ und „Träumerei“ von Robert Schumann leitete Holger Blüder in den letzten Block über, bei dem der Chor drei Abendlieder vortrug. Die Sängerinnen und Sänger bildeten dabei um die Zuhörerschaft einen weiten Kreis und bezog sie damit unmittelbar ins Geschehen ein. Mit „Neigen sich die Stunden“ von Lorenz Maierhofer wurde eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre geschaffen, die von den Sängerinnen und Sängern wie von den Konzertbesuchern spürbar genossen wurde. Beim anschließenden Kanon „Herr bleibe bei uns“ von Albert Thate fügte sich das vom Solo-Sopran eingeflochtene Lied „Der Mond ist aufgegangen“ harmonisch ein. Eine pfiffige und gut umgesetzte Idee. Das ebenfalls von Maierhofer komponierte und als Kanon für drei Chöre zu jeweils vier Stimmen vorgetragene Schlusslied „Bleibe bei uns, oh Herr“ bildete den Abschluss des Konzertes. Dabei wurde in den vom Chor gebildeten breiten Klangteppich die Solostimme von Claudia Lawong feinfühlig eingebunden und setzte noch einmal ein besonderes Glanzlicht. Insgesamt betrachtet wurde dem begeisterten Publikum ein stimmungsvoller und berührender Konzertabend geboten. Wie hatte es Holger Blüder vor dem Konzert ausgedrückt?: „Großes entsteht dann, wenn die einzelnen Stimmen zu einem Ganzen vereint werden“ – wohl wahr!