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Kaffee, Kuchen und ein Engel für jeden

|   Presse und Berichte

Offene Weihnacht im Marienpfarrheim mit 13 Gästen

Wenn am Mittag des 24. Dezember die Geschäfte schließen, wird es ruhig in Warendorf.
In den Familien kehrt Weihnachtsruhe ein, kleine Kinder warten auf die Bescherung. Am Nachmittag gibt es Krippenfeiern, später oft ein festliches Essen, am Abend oder auch in der Nacht für manche dann die Christmette. Weihnachten feiert man mit der Familie, oder mit dem Partner, der Partnerin.

Was ist aber mit denen, die vielleicht nicht in einer Beziehung leben, kinderlos sind, vielleicht geschieden oder verwitwet? „Da fühlt man sich Weihnachten vielleicht einsam“, meint Ulrich Hagemann. Der Pastoralreferent der Pfarrei St. Laurentius ist selber Single und oft allein zuhause. Deshalb bietet er seit einigen Jahren eine offene Weihnachtsfeier an – so auch in der vergangenen Woche am Heiligabend. Gemeinsam mit Diakon Thomas Rudolph organisiert der Warendorfer die offene Weihnacht und hatte dafür in den letzten Wochen die Werbetrommel gerührt.

13 Anmeldungen hatte das Pfarrbüro für den Nachmittag gesammelt. „Das ist mehr als nichts“, zeigen sich die Helfer zufrieden mit der Resonanz. Zu 15 Uhr waren die Gäste geladen, manche wurden von Hagemann oder Diakon Thomas Rudolph zuhause abgeholt. „Wir freuen über jeden“, meint Diakon Rudolph. „Wir fragen nicht nach Alter, Religion oder Gesinnung“.

Die Gäste kommen in einen festlich geschmückten Saal. Doris Herbermann vom Sachausschuss Caritas hat die Dekoration gestaltet. Sie kann an diesem Nachmittag nicht dabei sein, weil sie Kinder und Enkel zuhause hat; jedoch hat sie mit viel Liebe den Raum hergerichtet, den Tisch gedeckt und den Baum geschmückt. Aus dem eher kargen Saal des Pfarrheims ist ein Weihnachts-Wohnzimmer geworden, gut geheizt, mit einem liebevoll geschmückten Baum – einer Spende von Hubertus und Julia Uehre von Uehre Gartenland – , dazu allerlei leckere Dinge auf den Tischen.
„Wir sind sehr dankbar für die Kuchenspenden der Bäckereien Diepenbrock und Schrunz“, sagt Ulrich Hagemann. Er kennt den Inhaber von Schrunz aus der Schulzeit und hat ihm von seinem Anliegen erzählt. Beide Bäckereien haben am Vormittag großzügig unverkauften Kuchen gespendet.

Anne Nüßing kommt mit zwei dampfenden Kannen zur Tür herein. Sie kümmert sich um die Küche und hat einen Blick dafür, dass bei niemandem der Kaffee oder Tee ausgeht. Auch Säfte und Wasser stehen bereit, dazu Gebäck und Mandarinen. Es mangelt an nichts, vor allem nicht an Kalorien. Dass Nüßing sich für die Weihnachtsfeier engagiert, ist ebenfalls nicht selbstverständlich; noch am Morgen hatte sie gearbeitet, im Gottesdienst später wird sie im Chor singen. „Ich habe der Chorleiterin schon gesagt, dass ich nicht zum Einsingen kommen kann“, sagt Anne Nüßing lachend und schüttet einem jungen Herrn Kaffee nach.
Der junge Herr ist mit seinem Bruder gekommen und hatte sich erst am gleichen Tag angemeldet. Die Geschwister sind willkommene Gesprächspartner für die sonst älteren Damen; schnell entstehen angeregte Gespräche.

Aus Münster gekommen ist Karl Hagemann, Vater des Pastoralreferenten, ehemaliger WDR-Moderator und Buchautor, der eine Vielzahl von Weihnachtserzählungen und Geschichten mitgebracht hat und außerdem alle Weihnachtslieder am Klavier begleitet. So vergeht die Zeit wie im Flug: nach je zwei Liedern folgt eine Geschichte, dann wird wieder gesungen. Auch Ute Diekhans, ehrenamtlich in der Kirchengemeinde aktiv, trägt eine Weihnachtsfabel vor. Diakon Thomas Rudolph verkündet das Weihnachtsevangelium von der Geburt Jesu. Schnell löscht seine Frau Andrea das Licht und alle stimmen ein: „Stille Nacht, Heilige Nacht…“. Hagemann und Rudolph wünschen im Namen der Kirchengemeinde Frohe Weihnachten. Eine halbe Stunde bleibt noch zum Plaudern und Singen.

18 Uhr: Die Glocken der Marienkirche nebenan rufen zum Weihnachtsgottesdienst. Noch schnell zur Toilette, dann aber los. In der ersten Reihe des Seitenschiffs ist eine Sitzreihe für die Gäste der offenen Weihnacht reserviert. Hagemann selbst macht sich auch auf den Weg; schnell wechselt er die Schuhe – „Schwarze Lackschuhe müssen es schon sein am Heiligabend!“ – und geht zügig in die Sakristei. Er selbst singt zu Beginn des Gottesdienstes die Ankündigung der Geburt Jesu. Jetzt kann Weihnachten werden.

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