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Erster Adventssonntag

Introitus

Auf eindrucksvolle Weise setzt der Introitus Ad te levavi an, indem er aus dem tiefstmöglichen Bereich des VIII. Modus unverzüglich und auf kurzem Weg eine ganze Oktave emporsteigt. Mit dieser musikalischen Geste zu den Worten „Ad te levavi animam meam" (Zu dir erhebe ich meine Seele) ist es dem Komponisten gelungen, der Erlösungsbedürftigkeit und dem sehnsüchtigen Warten der darniederliegenden Menschheit auf das Kommen des Messias geradezu bildhaften Ausdruck zu verleihen. Dass dieses sehnsüchtige Warten nicht ins Leere läuft, dafür bürgt Gott selbst, den der Verfasser von Ps 24/25 in vertrauter Anrede seinen Gott („Deus meus“) nennen und auf den er deshalb sein ganzes Vertrauen setzen darf. So erklären sich sowohl der herausragende melodische Höhepunkt des Stückes bei den Worten „Deus meus" als auch die durch filigrane Tonreperkussionen hervorgehobenen Passagen „non erubescam" (nicht erröten werde ich) und „neque irrideant me" (nie und nimmer sollen mich [meine Feinde] verlachen), aus denen hoffnungsfrohe und freudige Erregung über die Unverbrüchlichkeit der Heilszusage Gottes spricht.
aus: Johannes Berchmans Göschl: Das Kirchenjahr im gregorianischen Choral, S. 25f

Ad te levavi animam meam :
Deus meus, in te confido,
non erubescam.

Zu dir erhob ich meine Seele.
Mein Gott, auf dich vertraue ich.
Lass mich nicht zuschanden werden.

Neque irrideant me inimici mei:
etenim universi qui te exspectant,
non confundentur.

Lass meine Feinde mich nicht verlachen!
Ja, alle, die auf dich harren,
werden nicht zuschanden.

Ps.  1

Vias tuas, Domine, demonstra mihi :
et semitas tuas edoce me.

Zeige mir, Herr, deine Wege
und lehre mich deine Pfade!

Sie können diesen Choral auch hören:     https://www.youtube.com/watch?v=U0Elm96fbsk&t=116s